Mit wem war ich in Sarajewo ? Mit Leuten vom Haus der Stille , einem spirituellen Zentrum hier in der Nähe von Lassnitzhöhe. Das Haus der Stille ist ein guter Ort, offen für alle , unabhängig von religiösem (oder eben nicht ) Bekenntnis, Nationalität und Lebenssituation.
Im Haus der Stille leben sie eine Gemeinschaft im besten "franziskanischen" Sinn.Man kann dort für einen Tag, eine Woche oder länger sein, oder eben auch Ausflüge und Reisen unternehmen.
Und in diesem meinem heutigen Beitrag dreht sich alles um Religionen.
Wir besuchten in Sarajewo IMIC, eine religion based grass roots NGO, und wer es genau wissen will, hier ist ein link dazu. Die haben im Krieg und nach dem Krieg vielen geholfen, egal, welcher Religion.
http://www.ccfmc.net/wDeutsch/ccfmc/bibliothek/mission_theol/2007_11_Dialog.shtmlDurch IMIC kamen wir in den 5 Tagen, die wir in Sarajewo waren, zu vielen Gesprächen mit Leuten aus drei Religionen, Christen, Juden und Moslems, und haben uns auch ihre Kirchen, Synagogen und Moscheen angeschaut. Ein besonderes Erlebnis war vorgestern am Abend das Gespräch mit dem Muezzin der Kaiser - Moschee , der über hundert Stufen 5 mal täglich hinauf und hinunter in seinen Turm eilt, von dort oben herab singt (ohne Lautsprecher) und uns atemlos und fröhlich sagte, dass sein Vater ein noch viel tollerer Muezzin war als er, den hörte man nämlich 10 Kilometer weit!
"Ich muß in 3 Minuten wieder hinauf" meinte er..und wir warteten natürlich unten , um zu schauen, ob wir ihn oben sehen.., ja wir sahen und hörten ihn, er stand auf derm Turm, der sich klar abhob in der Nacht, daneben der Halbmond, sehr schön, wirklich!
Der Muezzin sang wunderschön.. dazwischen winkte er uns kräftig- und sang wieder weiter. Beeindruckend!
Noch etwas Erzählenswertes: Marko Orsolic, der Leiter von IMIC, ein sehr unkonventioneller Franziskanerpater ( im normalen Gwand, ohne Kutte) sagte uns, dass er sicher niemanden,der einer anderen Religion angehört, bekehren will , niemand missionieren, denn wenn eh alle-Muslime, Orthodoxe, Juden, an einen Gott glauben, wozu? Das wäre so, als würde man einem Vater ein Kind wegnehmen, es anders kleiden und dann wieder zurück zum Vater bringen.
Aus unserer Diskussionsrunde:
Die "Gender-Frau" war eine Muslimin, Uniprofessorin, die sehr engagiert ein Religionsbuch für alle 3 Religionen geschrieben hat, das wird jetzt an den Gymnasien verwendet.Und ein anderer Franziskanerpater und Uniprof, (auch ohne Kutte) Drago, der schon mit Liessmann diskutiert hat und bei Zulehner in Wien studiert hat, der Bücher vom Bosnischen ins Deutsche übersetzt, sagte mir, dass er lieber einen Ethikunterricht an den Schulen hätte als Religionsunterricht.
Die Juristin des Sarajewo- Bürgermeisters hatte vor dem Krieg ein gutes Leben , sagen wir, Wohlstand. Sie war während des Bosnienkrieges als Flüchtling in Deutschland, und obwohl sie Juristin ist , arbeitete sie als Putzfrau. Dort wollte man ihr erklären, wie ein Staubsauger funktioniert.
" Es ist bitter,wenn man das , was man schon einmal gehabt hat, wieder verliert" meint sie..
Anderen ging es noch viel schlimmer. Ich habe mir den Tunnel, den die Bosnier unter dem Rollfeld des Flughafens durchgegraben haben, angeschaut und das Museum dazu.
http://de.wikipedia.org/wiki/Sarajevo-Tunnel